Herbstliche wörter mit x
Bunte Bilder scheinen auf. Ich weiß nicht warum, aber unter dem Eindruck dieses blaugoldenen Himmels verspürt mein Herz fast so etwas wie Heiterkeit …
Octave Mirbeau: Tagebuch einer Kammerzofe, 1900
Werkstattbericht
Das Beitragsbild stammt wie immer aus dem unerschöpflichen Fundus von Pixabay. Hier findest du herbstliche Stimmung satt.
Inhaltsverzeichnis
Septembermorgen / Eduard Mörike
Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.
In gerade einmal sechs Zeilen malt Mörike ein atmosphärisches Bild des Übergangs von der nebelverhangenen Morgendämmerung zum goldenen Herbsttag.
Jedes Mal, wenn du Herbst sagst, erzählst du ein kleines Stück dieser alten Geschichte weiter.
Erlebe den Herbst in seinen schönsten Zeilen
Herbstwörter in der Literatur
Nein, wir müssen um mehr als zwanzig Jahre zurückgreifen und einen reichen, gottgesegneten Herbst wählen, einen lichten, sonnenklaren Tag, wo die schöne Natur vor dem Scheiden noch ihre reichsten Schätze ausgießt und hinter buntfarbigem Schleier ihr Abschiedsleid verbirgt, wo der Mensch, am Ziele der mühsamen Arbeit des Jahres, sich des kargen Maßes entbunden fühlt und reichlich genießt, und reichlich spendet wie die Natur.
Ottilie Wildermuth: Aus dem Frauenleben.
Die Gedichte stammen aus dem September 2024. Jahrhunderts.
November / Heinrich Seidel
Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdriesslich sein
Und so ohne Sonnenschein!Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ’ne wahre Pracht.Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn‘ Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass!Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelsthau
Ur und ewig, trüb und grau!Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt’s an jedem Zweig,
Einer dicken Thräne gleich.O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch‘ unvernünft’ges Toben
Schon im Voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!So, dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!
Das humorvolle Gedicht nimmt den unbeliebten November aufs Korn.
Die reifenden Früchte und die Ernte symbolisieren Fülle und Vergänglichkeit zugleich. Jetzt ansehen
- Herbstfeuerwerk
- Blätterballett
- Farbenrausch
- Goldregenzeit
- Kürbisfest
- Laubkaleidoskop
- Reifepracht
- Sonnengolden
- Waldgemälde
Herbstwörter, also Wörter, die mit Herbst beginnen, habe ich an anderer Stelle gesammelt, dort findest du 89 stimmungsvolle Herbstwörter.
Seine Bilder erinnern an den Verlust von Freude und die vergangene Blütezeit. Mit seiner prägnanten Sprache und den stimmungsvollen Naturbildern ist das Gedicht ein Paradebeispiel der deutschen Naturlyrik des 19. Es vermittelt eine Stimmung von Einsamkeit und sanftem Leiden, durchzogen von flüchtigen Momenten der Schönheit und des Trostes.
Herbst ist es wieder / Hoffmann von Fallersleben
Herbst ist es wieder, gelbe Blätter fallen,
Die Schwalbe mit dem Storch gen Süden zieht,
Und nur des Kranichs Abschiedslieder schallen,
Und durch die Stoppeln singt der Wind sein Lied.
Der Nebel hüllet ein des Tages Sonne,
Hin ist des Sommers lichte Freud‘ und Wonne.Wie könnten wir doch solche Zeit ertragen!
Die Hoffnung tröstet uns in unserm Leid.
Es kommt nach diesen stillen trüben Tagen
Die lichte freudenreiche Sommerzeit.
Sie bringt uns Sonnenwärme, Blumen, Lieder,
Sie bringt uns unsers Herzens Wonne wieder.
Hier spiegelt der Herbst den unvermeidlichen Abschied und die Melancholie wider, die mit dem Ende des Sommers und des Lebenszyklus verbunden sind.
Ich sah den Herbst sich färben / Emanuel Geibel
Ich sah den Wald sich färben,
Die Luft war grau und stumm;
Mir war betrübt zum Sterben,
Und wusst’ es kaum, warum.Durchs Feld vom Herbstgestäude
Hertrieb das dürre Laub;
Da dacht’ ich: Deine Freude
Ward so des Windes Raub.Dein Lenz, der blütenvolle,
Dein reicher Sommer schwand;
An die gefrorne Scholle
Bist du nun festgebannt.Da plötzlich floss ein klares
Getön in Lüften hoch:
Ein Wandervogel war es,
Der nach dem Süden zog.Ach, wie der Schlag der Schwingen,
Das Lied ins Ohr mir kam,
Fühlt ich’s wie Trost mir dringen
Zum Herzen wundersam.Es mahnt’ aus heller Kehle
Mich ja der flücht’ge Gast:
Vergiss, o Menschenseele,
Nicht, dass du Flügel hast!
Auch Geibel fängt die Dualität des Herbstes ein, der sowohl Melancholie als auch Trost in sich trägt.
Viele Herbstgedichte thematisieren den ewigen Kreislauf der Natur, den Abschied vom Sommer und die Vorbereitung auf den nahenden Winter.
Mehr von Rainer-Maria Rilke: 10 seiner bedeutendsten Gedichte in Text & Bild
Oktoberlied / Theodor Storm
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!Und wimmert auch einmal das Herz –
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!
Storms Gedicht vermittelt eine Mischung aus Melancholie und Lebensfreude, die oft mit dem Herbst in Verbindung gebracht wird.
Es herrscht eine stille Melancholie vor, die das Loslassen und den natürlichen Fluss der Zeit spürbar macht.