Unter der linden walther von der vogelweide übersetzung
in Raymond Oliver's book To Be Plain: translations from Greek, Latin, French, and German Barth, 1981.
Under der linden
Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
Vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.
Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen ê.
Dâ wart ich empfangen
(hêre frouwe!)
daz ich bin sælic iemer mê.
Kust er mich?
In dem Lied kommt auch der literarische Topos (Motiv) des "locus amoenus" (schöner Ort) vor. wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt.
Dô het er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
Des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
Bî den rôsen er wol mac,
tandaradei,
merken wâ mirz houbet lac.
Daz er bî mir laege,
wessez iemen
(nu enwelle got!), sô schamt ich mich.
Wes er mit mir pflaege,
niemer niemen
bevinde daz, wan er und ich.
Und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.
Hochdeutsche Version
Unter der Linde,
auf der Wiese,
dort wo das Bett von uns zweien war,
da könnt ihr sehen,
liebevoll gebrochen,
Blumen und Gras.
Vor einem Wald in einem Tal,
tandaradei,
sang schön die Nachtigall.
Ich kam gegangen
zu der Wiese:
Mein Geliebter war schon vor mir da.
Und so begrüßte er mich,
heilige Jungfrau,
daß ich darüber für immer glücklich bin.
Ob er mich küßte?
Under der linden By: Walther von der Vogelweide
It has been published several places, e.g.
Wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt.
Dô hete er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
Des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat:
bî den rôsen er wol mac,
tandaradei,
merken wâ mir'z houbet lac.
Daz er bî mir læge,
wesse'z iemen
(nu enwelle got!), so schamte ich mich.
Wes er mit mir pflæge,
niemer niemen
bevinde daz, wan er und ich,
und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.
*
Das Gedicht „Under der linden“ stammt aus der Feder von Walther von der Vogelweide.
Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
Dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
Vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.
Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen ê.
Dâ wart ich empfangen,
hêre frouwe,
daz ich bin saelic iemer mê.
Kuster mich?
wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt.
Dô het er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
Des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
Bî den rôsen er wol mac,
tandaradei,
merken wâ mirz houbet lac.
Daz er bî mir laege,
wessez iemen
(nu enwelle got!), sô schamt ich mich.
Wes er mit mir pflaege,
niemer niemen
bevinde daz, wan er und ich.
Und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.
Übertragung
Unter der Linde,
auf der Wiese,
dort wo das Bett von uns zweien war,
da könnt ihr sehen,
liebevoll gebrochen,
Blumen und Gras.
Vor einem Wald in einem Tal,
tandaradei,
sang schön die Nachtigall.
Ich kam gegangen
zu der Wiese:
Mein Geliebter war schon vor mir da.
Und so begrüßte er mich,
heilige Jungfrau,
daß ich darüber für immer glücklich bin.
Ob er mich küßte?
Nach
der Zahlung können Sie die ausgesuchte MP3-Datei herunterladen.
Und sollten Sie eine größere Reihe meiner Rezitationen erwerben
wollen, komme ich Ihnen gern entgegen.
Sie zeigen die Abkehr vom Ideal der „Hohen Minne“ des Ritters zur höhergestellten Dame (frouwe), die unerfüllt bleibt. Allerdings passt die Melodie des altfranzösischen Volksliedes "En mai au douz tens novels" (Autor unbekannt) zum Metrum des Textes.
Sicherlich tausendmal:
tandaradei,
seht, wie rot mein Mund ist.
Er hatte aus
Blumen ein herrliches
Bett hergerichtet.
Darüber wird sich jeder von Herzen
freuen,
der dort vorübergeht.
An den Rosen kann er noch gut,
tandaradei,
erkennen, wo mein Kopf lag.
Daß er mit mir schlief,
wüßte das jemand
(nein bei Gott!), dann schämte ich mich.
Was er mit mir tat,
niemand jemals soll das
wissen außer ihm und mir.
Und jenem kleinen Vogel:
tandaradei,
der wird sicherlich verschwiegen sein.
Analyse
Das Gedicht "Under der linden" (um 1200; Epoche des Mittelalters) besteht aus 4 Strophen mit jeweils 9 Versen.
Jeweils bis zum sechsten Vers der jeweiligen Strophe verschränken sich die Reime in Form von abcabc, anknüpfend umarmt ein neuer Reim "tandaradei" (eine lautmalerische Nachahmung des Gesangs der Nachtigall). Sprechen Sie mich an !
Tándaradéi,
See how red my mouth's become.
There he had fashioned
For luxury
A bed from every kind of flower.
It sets to laughing
Delightedly
Whoever comes upon that bower;
By the roses well one may,
Tándaradéi,
Mark the spot my head once lay.
If any knew
He lay with me
(May God forbid!), for shame I'd die.
What did he do?
May none but he
Ever be sure of that and I,
And one extremely tiny bird,
Tándaradéi,
Who will, I think, not say a word.
*
translation copyright © 1970, 1981, 2001 by Raymond Oliver.
Das gesamte Reimschema kann als abcabcded beschrieben werden.
Da es sich um ein Lied, und kein Gedicht, handelt, unterliegt das Metrum der Interpretation (z.B.